„Ein Familienunternehmen ist kein Nine-to-five-Job“
INterview mit Sebastian Schroeter | 30.04.2026

Sebastian Schroeter beschäftigt sich von Berufs wegen mit allem, was glänzt und funkelt. Ursprünglich hatte er einen gänzlich anderen Weg eingeschlagen und ist heute doch Geschäftsführer des familieneigenen Juwelierbetriebs Heldwein in bester Wiener Innenstadtlage. Mit Luxusprodukten wie Schmuck und Uhren kennt er sich ebenso gut aus wie mit den Besonderheiten eines Familienunternehmens.
Seine Laufbahn im Unternehmen von Stiefvater Anton Heldwein begann 2013 mit der Eröffnung der Wiener Pomellato-Boutique. Als deren Store Manager brachte Sebastian Schroeter farbenfrohen Schmuck handmade in Italy unter die Wienerinnen. Heute steht er gemeinsam mit dem Seniorchef an der Spitze des traditionsreichen Juweliers Heldwein am Wiener Graben.
Ursprünglich hatte sich Sebastian Schroeter einer ganz anderen Branche verschrieben: der Gartengestaltung. Nach dem Wehrdienst zog es ihn jedoch zum Wirtschaftsstudium nach Edinburgh, wo er auch in den krisengebeutelten Automotive-Bereich hineinschnupperte. Über ein Berufspraktikum bei einem Bekannten seines Stiefvaters in Luxemburg landete Sebastian Schroeter schließlich aber im Juweliersbusiness und fand sichtlich Gefallen daran. Als Standort und Eröffnungsdatum für die Wiener Pomellato-Boutique feststanden, war seine Rückkehr nach Österreich samt Einstieg ins Familienunternehmen naheliegend. In seiner Funktion als Store Manager für das exklusive Mailänder Schmucklabel übernahm Sebastian Schroeter rasch Verantwortung. Fast zehn Jahre lang durchlief er auch diverse Stationen im Heldwein-Stammhaus am Wiener Graben. Berufsbegleitend absolvierte er mittels Fernstudiums und Laborklassen vor Ort eine Ausbildung in Edelsteinkunde am GIA (Gemological Institute of America) im kalifornischen Carlsbad. Seit 2024 ist Sebastian Schroeter Geschäftsführer von Heldwein.
Sind die exklusiven Schmuckstücke aus seinem Hause mehr Accessoire oder Wertanlage? Wie gelingt ein harmonisches Miteinander im Familienbetrieb? Und was hat den Juwelier zu seinem Ausflug ins Model-Business bewogen? Sebastian Schroeter im Gespräch über Luxus, Spaß und wahre Werte.
Herr Schroeter, Sie leiten gemeinsam mit Ihrem Stiefvater einen renommierten Familienbetrieb. Gibt es ein Patentrezept, wie der Generationenwechsel möglichst friktionsfrei gelingt?
Sebastian Schroeter: Familie bedeutet – wie jede zwischenmenschliche Beziehung – immer auch Arbeit. Der junge Geist glaubt oft, er hat schon alles begriffen. Doch wer die Chance hat, auf die Erfahrungswerte der älteren Generation zurückzugreifen, sollte diese auch nutzen. Für die Nachfolger:innen besteht die Challenge sicher darin, sich etwas sagen zu lassen und nicht zu schnell zu viel übernehmen zu wollen. Für die ältere Generation ist wiederum das Loslassen nicht immer einfach. Umso mehr freut sie sich erfahrungsgemäß mit uns Jüngeren, wenn wir unsere Sache zwar anders, aber gut machen.
Das klingt nach einem längeren Prozess.
Sebastian Schroeter: Natürlich. Ein Familienbetrieb ist kein Nine-to-five-Job und auch nicht mit einer klassischen Konzernkarriere vergleichbar. Man lebt mit dem Unternehmen, identifiziert sich damit und hat oft ein sehr freundschaftliches bis familiäres Verhältnis zu Team und Kund:innen. Diese enge Verbundenheit möchte man nicht von heute auf morgen missen.
Sie haben in Ihrem Unternehmen zehn Jahre lang unterschiedlichste Stationen durchlaufen und kennen die diversen Aufgabenbereiche aus eigener Erfahrung in- und auswendig: Was erklären Sie gerne zur Chefsache und wo sind Sie wiederum besonders dankbar, ein exzellentes Team hinter sich zu wissen?
Sebastian Schroeter: Ich habe ein gutes technisches Verständnis, aber Goldschmied wird ehrlicherweise keiner mehr aus mir. Daher bin ich sehr froh über unser tolles Team im Atelier. Dank zweier Meister und meiner Stiefschwester, die letzten Sommer Gesellin geworden ist, ist die Zukunft gesichert. Mit ihren talentierten Händen setzen sie um, was wir uns mit den Kund:innen überlegen. Technische Möglichkeiten wie 3D-Design und die Modellerstellung mittels Plotter spielen dabei inzwischen eine wichtige Rolle. Ich selbst kümmere mich gerne ums Geschäft. Patek Philippe als unsere einzige, aber eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste, Uhrenmarke liegt mir sehr am Herzen. Das gilt natürlich auch für unser Atelier Heldwein.
„Familie bedeutet – wie jede zwischenmenschliche Beziehung – immer auch Arbeit.“

Hat sich das Markenportfolio seit Ihrem Einstieg ins Unternehmen verändert?
Sebastian Schroeter: Wir haben unser Portfolio in den letzten zehn Jahren – oder vielleicht sogar schon bevor ich ins Unternehmen kam – sehr konzentriert. Heute bieten wir deutlich weniger Marken an als noch vor 15 Jahren. Dafür sind wir bei diesen ausgewählten Partner:innen sehr in die Tiefe gegangen. Die intensive Zusammenarbeit bereitet mir viel Freude. Jede Marke hat einen anderen Zugang, ein anderes Design, aber alle vertreten denselben Anspruch an Qualität.
„Werte (be)wahren und Visionen verwirklichen“ ist auf Ihrer Website zu lesen. Welche Werte liegen Ihnen besonders am Herzen und welche Visionen verfolgen Sie?
Sebastian Schroeter: Uns geht es vor allem um das Handwerk und die Qualität. Dabei machen wir keine Kompromisse. Natürlich könnte man mit anderen Goldlegierungen oder Lab Grown Diamonds (industriell gefertigten Diamanten, Anm.) qualitativ einsparen. So möchten wir aber nicht arbeiten. Die Naturprodukte in feinster Qualität liegen uns am Herzen. Sie machen auch den Wert für unsere Kund:innen aus – sei es materiell oder ideologisch. Es sind schöne Momente, wenn man etwas mit Substanz in der Familie weitergeben kann. Letztlich ist das auch die Vision, die wir verfolgen: uns auf das Atelier Heldwein mit seinem Handwerk und seinen speziellen Designs zu fokussieren. Ein sehr ausgewähltes Markenportfolio ergänzt dieses Angebot auf Augenhöhe.
In der Werbekampagne für Atelier Heldwein sind Ihr Stiefvater und Sie selbst in Arbeitskleidung beim Polieren überdimensionaler Schmuckstücke zu sehen. Ein unterhaltsamer Ausflug in die Werbewelt?
Sebastian Schroeter: Unser Beruf und das Handwerk machen uns Spaß. Generell soll Schmuck Spaß machen. Ohne viel zu überlegen war daher sofort klar: Diese Rollen übernehmen wir selbst. Wir wären gar nicht auf die Idee gekommen, Models für die Kampagne zu scouten. Im Trapez zu hängen, fotografiert und gefilmt zu werden, war eine tolle Erfahrung. Die Kampagne spiegelt gut wider, wer wir sind. Man darf sich selbst nicht immer zu ernst nehmen.
Was bedeutet exklusiver Schmuck, wie Heldwein ihn herstellt und vertreibt, für Sie persönlich? Ist er mehr Accessoire oder Wertanlage?
Sebastian Schroeter: Er soll/darf/muss beides sein. Auf jeden Fall soll Schmuck der Trägerin oder dem Träger Freude bereiten. Dieses Funkeln in den Augen ist das Allerwichtigste. Natürlich besitzt man mit einem Schmuckstück auch einen Notgroschen. Gerade Farbedelsteine sind in den letzten fünf bis zehn Jahren extrem im Wert gestiegen. Diamanten generell sind während der Covid-Pandemie sehr in die Höhe gegangen, danach sind die Preise wieder gesunken. Besondere Schliffe und Größen halten sich wertstabiler als herkömmliche runde Brillanten. Letztere lassen sich wiederum schneller veräußern. Es verhält sich bei Diamanten ähnlich wie bei Gold: Münzen und Dukaten, die viele Menschen sammeln und verschenken, können leichter zum Tageskurs verkauft werden als spezielle Stücke. Das Thema Wertanlage ist also relevant, steht für mich bei Schmuck aber nicht im Vordergrund. Ich fände es schade, das einzelne Schmuckstück auf den Wiederverkaufswert herunterzubrechen. Das Wichtigste ist der Spaß beim Tragen.
„Dieses Funkeln in den Augen ist das Allerwichtigste.“
Ist Schmuck zu schade für den Tresor?
Sebastian Schroeter: Ja, rein für den Tresor investiert man besser in lose Edelsteine wie Rubine, Saphire und Smaragde. Neben diesen Klassikern eignet sich beispielsweise auch ein Paraíba-Turmalin in feiner Qualität als Wertanlage. Farbdiamanten waren in den letzten Jahren sehr gefragt, da die Verfügbarkeit so begrenzt ist.
Ihr wertvollstes Schmuckstück? Und warum?
Sebastian Schroeter: Für mich haben Dinge hohen Wert, die ich mit einem besonderen Moment oder Menschen verbinde. Als frisch verheirateter Ehemann ist mein wertvollstes Schmuckstück aktuell sicher mein Ehering. Darüber hinaus auch eine Brosche meiner Großmutter und diverse Manschettenknöpfe, die ich zu speziellen Anlässen und von besonderen Menschen geschenkt bekommen habe und auch täglich trage. Etwas ganz Besonderes ist außerdem meine Patek-Philippe-Uhr. Sie stammt aus einer limitierten Kleinserie, die wir zum 50-jährigen Jubiläum unserer Zusammenarbeit gemeinsam mit Patek Philippe gestalten durften.
Was ist Luxus?
Sebastian Schroeter: Das ist eine schwierige Frage. Schmuck und Uhren sind sicher Luxusprodukte. Wir brauchen sie nicht zum täglichen Leben. Wahrer Luxus bedeutet für mich, schöne Dinge, Erlebnisse und gemeinsame Zeit teilen zu können.

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Zu den Kund:innen zählen weltweit führende Unternehmer:innen und Unternehmen, Aristokrat:innen, Ikonen aus Sport und Lifestyle sowie Entscheidungsträger:innen von Weltrang. Das Team ist international und länderübergreifend tätig und in Europa zu Hause – bald auch in Zürich in der Schweiz, daran arbeitet man gerade. OPMG arbeitet ausschließlich erfolgsbasiert, ohne Vorauszahlung, versteckte Kosten oder Ähnlichem. Für die Kandidat:innen ist die Vermittlung durch OPMG immer kostenlos.
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