„Ich bin ein Kasperl mit Herz“
Insights von Georg Mayrhofer | 27.05.2026

Georg Mayrhofer ist Unternehmer, Netzwerker, Familienmensch, Kabarettist und Kinderhospiz-Botschafter. Als wohl treuester Stammgast des Münchner Oktoberfestes verpasst der Österreicher seit Jahrzehnten keinen Veranstaltungstag. In seinem Brotberuf war der „Wiesnschurli“ bereits in der Wiener Staatsoper und dem Burgtheater tätig.
16 Tage Oktoberfest von früh bis spät. Um 11 Uhr vormittags startet er im Augustinerzelt. Um 1 Uhr nachts ist im Weinzelt Schluss. Bald 43 Jahre lang absolviert Georg Mayrhofer bereits dieses sportliche Oktoberfest-Programm. 1983 war der Niederösterreicher erstmals auf der Münchner Wiesn, seither hat die Veranstaltung in ihm wohl ihren treuesten Stammgast.
Wiesnschurli
Journalist:innen verpassten Mayrhofer in einem TV-Interview gar den Spitznamen „Wiesnschurli“. Mittlerweile ist die Wortschöpfung rund um die österreichische Koseform für „Georg“ eine eingetragene Marke und gehört zum Oktoberfest wie die Maß Bier. Der Wiesnschurli hat sie allerdings schon vor einigen Jahren gegen das Wasserglas eingetauscht. Warum? „Ich habe jetzt mehr Spaß ohne Trinken und will meine Enkelkinder aufwachsen sehen“, so der zweifache Opa. Eine besondere Ehre wurde ihm 2025 zuteil: Beim traditionellen Platzkonzert der Wiesnwirte durfte Georg Mayrhofer rund 400 Musiker:innen dirigieren. Zweifelsohne ein erhebender Augenblick und das, obwohl ihm im Laufe der Jahre bereits ein Baum gepflanzt und ein Tisch gewidmet wurde. Wie genau verbringt man eigentlich zweieinhalb Wochen auf dem Oktoberfest? „Für die Wiesn 2026 steht das schon jetzt ganz exakt fest“, berichtet der Wiesnschurli beim Interview Anfang Mai. Den Beweis liefert sein akribisch durchgeplanter, farbcodierter Wiesn-Terminkalender.

Netzwerker
Als erklärter Menschenfreund ist Mayrhofer gerne in Gesellschaft, kennt von Wien bis München – und weit darüber hinaus – Gott und die Welt. „Wenn ich etwas selbst nicht weiß, kenne ich immer jemanden, der es weiß.“ Die Frage, wer Mayrhofer an seinem Wiesn-Tisch Gesellschaft leisten darf, ist hingegen schnell beantwortet: „Grüß Gott“, „auf Wiedersehen“, „bitte“ und „danke“ muss für seine Freund:innen ebenso selbstverständlich sein wie für den passionierten Netzwerker selbst. Neben „Respekt, Schmäh und Anstand“ ist eine Spende für den Lichtblickhof Pflicht. Seit einigen Jahren ist Mayrhofer – immer schon sozial engagiert – mit Herz und Seele Botschafter dieses österreichischen Kinderhospizes. Darauf aufmerksam geworden ist er durch seinen Freund und Nachbarn, den Kabarettisten Gery Seidl. Man kommt nicht nur aus der gleichen Gegend nordwestlich von Wien, sondern hat gemeinsam etwa auch in der humorigen TV-Sendung „Sehr witzig?!“ mitgewirkt. Jahrelang war Georg Mayrhofer dort in der Rolle des Stammtisch-Wirten zu sehen.
Kasperl mit Herz
Doch zurück zum Oktoberfest: Verantwortlich für die herausfordernde Terminplanung des „Kasperls mit Herz“ – so Mayrhofer über sich selbst – ist seine persönliche Wiesn-Sekretärin Katharina. Im wahren Leben heißt sie eigentlich Manuela, aber das ist eine andere Geschichte. Zu tun hat sie jedenfalls auch abseits der Wiesn reichlich: Alle fünf Jahre lädt der Wiesnschurli seinen engsten Kreis – beachtliche 300 bis 400 Personen – zur großen Party. Die letzte fand 2023 auf Burg Greifenstein nahe Wien statt – inklusive mehrerer Bands und Kino der besonderen Art. Für eine Projektionsshow wurde nämlich der Burgturm als beeindruckende Leinwand zweckentfremdet. Wo 2028 seine nächste große Party stattfinden wird, möchte Georg Mayrhofer aka Wiesnschurli noch nicht verraten. Die Vorbereitungen sind aber bereits in vollem Gange. „Durchs Reden und durchs Feiern kommen die Leute zusammen“, ist er überzeugt. Seinen 60. Geburtstag hat Mayrhofer gleich viermal gefeiert. Um den Rahmen intimer zu halten, waren jeweils „nur“ rund 150 Gäste mit dabei.
Familienmensch
Im Unterschied zu Georg Mayrhofer ist seine Ehefrau Claudia kein Fan des Rampenlichts. Erst zu seinem 50-jährigen Wiesn-Jubiläum 2033 will sie ihren Mann nach längerer Oktoberfest-Pause wieder nach München begleiten. Vier Jahrzehnte sind die Mayrhofers bereits glücklich verheiratet. Dabei sei das mit ihm eine Kunst, ist sich der Wiesnschurli der Herausforderungen eines Lebens an seiner Seite bewusst. Wie gut, dass Claudia als Künstlerin auch dieses private Kunststück beherrscht. Die beiden Kinder des Paares sind mittlerweile erwachsen. Sohn Florian hat bereits die Leitung des familieneigenen Parkettbodenbetriebs übernommen.
Unternehmer und Kabarettist
Im Brotberuf ist Georg Mayrhofer nämlich Inhaber des auf historische Parkettböden spezialisierten Familienunternehmens Deta Parkett, Innungsmeister der österreichischen Bodenleger sowie Inhaber eines Gutachterbüros für Bodenbeläge und Gebäudereinigungen. Namhafte Häuser wie die Wiener Staatsoper, das Burgtheater, die Volksoper und die Hofburg zählen zu seinen Kund:innen in Sachen Parkettböden. Gemeinsam mit Schwester Barbara ist Familienmensch Georg Mayrhofer außerdem seit kurzem im Bereich Raumklima und Luftreinigung aktiv. Das Prinzip? Photokatalyse. Dank einer speziellen Beschichtung an den Fenstern und anderen Oberflächen werden Allergene, Keime und Schadstoffe durch einfallendes Licht in Wasser und CO₂ umgewandelt, so Mayrhofer. Auch abseits von Unternehmertum und Wiesnsaison ist sein Terminkalender prall gefüllt. Mit Bühnenpartner Peter Feuchtinger und dem gemeinsamen Kabarettprogramm „Gegensätze ziehen sich auf!“ tourt der Wiesnschurli durch Österreich und Bayern. Wie passen all seine Standbeine in 24 Stunden? „Ich weiß immer relativ gut, was ich will und was nicht. Das hilft weiter im Leben. Wenig leere Meter machen. Nicht, dass ich keine gemacht hätte, aber wenige“, so Mayrhofer. Das Witzeerzählen pflegt er – abseits von Kabarettbühne und Wiesn – auch gerne in seinen Wiener Stammlokalen „Schwarzes Kameel“ und „Schweizerhaus“. Das eine elegantes Innenstadtlokal, das andere rustikaler Biergarten im Prater. Wie kaum ein anderer ist Georg Mayrhofer ganz selbstverständlich in beiden, nur auf den ersten Blick so gegensätzlichen, Welten zu Hause. Anstand, Humor und Respekt sind schließlich keine Frage von Postleitzahlen oder Gourmet-Auszeichnungen.

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