„Die Person wird nicht in eine Form gezwängt“
INterview mit Detlev Diehm | 27.01.2026

Seine Entwürfe trugen Männer wie Michael Caine, Roger Moore oder Richard Gere. Heute schneidert der einstige Kreativdirektor im eigenen Atelier all jenen, die es sich leisten können und wollen, eine exklusive zweite Haut auf den Leib. Längst sind es nicht nur mehr Gentlemen à la James Bond, die Detlev Diehms Anzüge schätzen.
Ob im legendären Pariser Hotel Les Bains oder in Andreas Murkudis’ hippem Berliner Concept Store: Der gelernte Schneider und studierte Modedesigner Detlev Diehm ist da, wo seine Kundschaft ihn braucht. Abseits des eigenen, recht versteckt gelegenen Münchner Ateliers nimmt er auch in der auf Hemden spezialisierten Reiser Manufaktur Maß. Gemeinsam kann man Kund:innen eine noch größere Bandbreite bieten. Apropos Kund:innen: Damen machen inzwischen rund 30 Prozent von Diehms Kundschaft aus. Tendenz steigend. Trägt sich ein Bespoke-Anzug aus dem Hause Diehm anders als hochwertige Stangenware? Und was genau ist Bespoke überhaupt? Detlev Diehm weiß, worauf es ankommt.
Herr Diehm, ganz ehrlich: Ist Anzug nicht gleich Anzug? Was kann ein Maßanzug, das ein Premium-Markenanzug nicht kann?
Detlev Diehm: Ein herausragender Maßanzug verschmilzt mit dem Träger beziehungsweise der Trägerin zu einer Einheit. Die Person wird nicht eine Form gezwängt, sondern Kleidung und Träger:in scheinen miteinander verwachsen zu sein. Ansonsten denkt man hingegen manchmal „Wo will denn der Anzug mit dem Menschen hin?“. Die Qualität wird an der Selbstverständlichkeit und Lässigkeit gepaart mit Eleganz deutlich. Man sieht, die Leute fühlen sich wohl in ihrer Haut – im wahrsten Sinne des Wortes. Diese Einheit zwischen Träger:in und Anzug schafft man nur mit der Bespoke-Schneiderei.
Was genau ist unter Bespoke-Schneiderei zu verstehen?
Detlev Diehm: Wir verwenden keine vorgefertigten Elemente. Gestartet wird mit einem völlig leeren Blatt Papier und einem Gespräch. Ein anderes Merkmal von Bespoke ist, dass ein Kleidungsstück vom Anfang bis zum Ende von einer Person gefertigt wird. Das kann manchmal auch ein- und dieselbe Person für mehrere Kleidungsstücke – Hose, Jacke, Weste, Mantel – sein, aber jedes Stück wird von einer einzigen Person gefertigt. Bespoke ist Kleidung von einem Individuum für ein Individuum.
Das klingt nach grenzenlosen Möglichkeiten. Gibt es dennoch den typischen Detlev-Diehm-Anzug? Wie würden Sie Ihre stilistische Handschrift beschreiben?
Detlev Diehm: Er ist leicht, fließend und präzise. Ich kann weder so tun, als wäre ich ein Neapolitaner, noch als wäre ich in der Londoner Savile Row, die für ihre Bespoke-Schneidereien bekannt ist, aufgewachsen. Wenn man ein Spitzenniveau erreichen möchte, muss man sich einen eigenen Stil erarbeiten.
„Diese Einheit zwischen Träger:in und Anzug schafft man nur mit der Bespoke-Schneiderei.“

Ist das Schneiderhandwerk für Sie Beruf oder Berufung?
Detlev Diehm: Es ist ein bisschen dem Zufall geschuldet, dass ich in meinem Metier gelandet bin. Ich wusste schon recht früh, dass ich Design im weiteren Sinne studieren möchte. Zuvor wollte ich aber ein Handwerk erlernen. Ich habe einen Ausbildungsplatz in einer sehr guten Schneiderei gefunden und die Meisterprüfung gemacht. Es folgten ein Modedesign-Studium und viele Jahre als Kreativdirektor in der europäischen Modeindustrie. Das Schneiderhandwerk hat mich aber nie wirklich losgelassen. Vor fast zehn Jahren habe ich mich schließlich mit meiner eigenen Schneiderei in München selbstständig gemacht.
Wann ist ein Anzug fertig?
Detlev Diehm: Fertig ist er, wenn die Kundschaft vor der Türe steht (schmunzelt). Man könnte immer noch weiter feilen. Wichtig ist, den Punkt zu erkennen, an dem man aufhören sollte.
Mit welchem Gefühl sollen Ihre Kund:innen Ihr Atelier verlassen?
Detlev Diehm: Mein Anspruch ist, dass sie sich zu 100 Prozent als sie selbst fühlen. Oder vielleicht sogar zu 110 Prozent, weil sie eine leicht verbesserte Version von sich selbst gefunden haben – authentisch, aber auch ein bisschen erhaben.
Ist da ein bestimmter Anzug, auf den Sie besonders stolz sind?
Detlev Diehm: Es gibt diesen Moment, in dem Kleidungsstück und Person eins werden. Dann ist es für mich immer wieder aufs Neue der beste Anzug, den ich je gemacht habe. Auf diesen Moment und dieses Gefühl kommt es an.
Wie tief muss man für einen Bespoke-Maßanzug in die Tasche greifen?
Detlev Diehm: Ein zweiteiliger Anzug startet bei rund 5.000 Euro. Je nach Stoff gibt es kaum Grenzen nach oben. Ein Basic ist manchmal sogar die beste Wahl, weil ein solcher Anzug gut im Koffer reist und macht, was der Kunde oder die Kundin will. Wenn jemand aber das absolute Wow-Erlebnis sucht, eine gesteigerte Sinnlichkeit im Material, dann erfüllen wir diesen Wunsch selbstverständlich gerne.
„Wenn man das Beste von sich gegeben hat, ist man am zufriedensten.“
Gibt es den typischen Kunden beziehungsweise die typische Kundin von Detlev Diehm?
Detlev Diehm: Eines zieht sich durch: Die meisten meiner Kund:innen müssten von Berufs wegen keine Anzüge tragen. Sie können anziehen, was sie wollen, und entscheiden sich bewusst für den Anzug.
Angenommen, ich habe noch keinerlei Erfahrung mit Bespoke-Schneiderei: Mit welchem Anzug liegen junge Neukund:innen bestimmt goldrichtig?
Detlev Diehm: Junge Männer kommen oft erstmals zu uns, wenn sie heiraten. Im Vordergrund steht dann natürlich der Anlass. 90 Prozent der Bräutigame wollen den Anzug aber auch nach der Hochzeit noch tragen können. In diesen Fällen empfiehlt sich beispielsweise ein dunkelblauer oder hellgrauer Anzug aus einem eleganten, aber nicht zu empfindlichen Stoff.
Figuren verändern sich im Laufe der Jahre. Sind nachträgliche Änderungen möglich?
Detlev Diehm: Eineinhalb Größen können wir relativ problemlos ändern – sowohl enger als auch weiter. Ich habe aber auch schon Anzüge von Kunden, die 25 Kilo abgenommen haben, komplett zerlegt, und nach einem neuen Zuschnitt wieder zusammengesetzt. Das vielleicht größte Nachhaltigkeitsmerkmal: Ein Bespoke-Anzug landet nie auf dem Müll. Man färbt ihn, man ändert ihn, aber man wirft ihn nicht weg.
Was bedeutet Luxus für Sie persönlich?
Detlev Diehm: Materieller Luxus sind für mich Dinge, die repariert werden können. Dinge, die im Laufe der Zeit ihren Wert nicht verlieren. Dinge, die in mir Resonanz erzeugen und an denen ich Spaß haben kann. Es ist Luxus, in ein gutes Handwerk zu investieren und ein Projekt von der Idee bis zum fertigen Produkt gemeinsam zu realisieren – egal, ob man sich ein Haus bauen, Möbel schreinern oder einen Anzug schneidern lässt. Luxus steht für mich im Gegensatz zum klassischen Kaufrausch.
Wie tanken Sie kreative Energie?
Detlev Diehm: Kunst in jeder Form ist eine sehr gute Anregung. Sie bringt bestimmte Bereiche des Gehirns in Schwung. Man ist dann wieder in der Lage, über den eigenen Tellerrand zu schauen und zu denken. Das hat direkte Auswirkungen, die ich in neues Design übersetzen kann. Elegante Menschen inspirieren mich natürlich ebenso.
Wo trifft man auf besonders viele dieser elegant gekleideten Menschen?
Detlev Diehm: Möglich ist es überall. Am konzentriertesten findet man diese Eleganz meiner Meinung nach aber in Mailand. Die Mailänder:innen gehen sehr kreativ mit Kleidung um – geistreich, aber nicht übertrieben auffällig.
Was braucht es in Ihrem Job unbedingt?
Detlev Diehm: Respekt gegenüber den Kund:innen und der Tätigkeit. Wenn man das Beste von sich gegeben hat, ist man am zufriedensten. Wie in vermutlich jedem Handwerk, das auf einem gewissen Niveau betrieben wird, bekommen wir umso mehr zurück, je mehr wir geben. Das macht wahnsinnig viel Freude.

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Zu den Kund:innen zählen weltweit führende Unternehmer:innen und Unternehmen, Aristokrat:innen, Ikonen aus Sport und Lifestyle sowie Entscheidungsträger:innen von Weltrang. Das Team ist international und länderübergreifend tätig und in Europa zu Hause – bald auch in Zürich in der Schweiz, daran arbeitet man gerade. OPMG arbeitet ausschließlich erfolgsbasiert, ohne Vorauszahlung, versteckte Kosten oder Ähnlichem. Für die Kandidat:innen ist die Vermittlung durch OPMG immer kostenlos.
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