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„Auf einmal waren da Lösungen statt Probleme“

INterview mit Jaqueline Lüttgens | 23.09.2026

Jaqueline Lüttgens erkennt, was andere oft übersehen: das Potenzial von Immobilien mit Geschichte. So manche Sorgenfalte hat sie dadurch schon in vorfreudiges Strahlen verwandelt. Wie aus der Bankkauffrau eine Immobilienmaklerin wurde? Es war wohl eine Mischung aus Zufall und Schicksal.

Betritt Jaqueline Lüttgens einen Raum, hat sie in Gedanken bereits die erste Wand niedergerissen. Wo andere Grenzen sehen, erkennt die Aachenerin mit dem geschulten Fotografinnenblick architektonische Möglichkeiten. Nach Jahren als angestellte Immobilienmaklerin und nebenberufliche Fotografin wagt sie nun mit Lüttgens Immobilien den Schritt in die Selbstständigkeit. Ab Oktober 2026 vermittelt die Expertin Objekte im Raum Aachen. Ihren Blick richtet sie dabei auf das, was eine Immobilie heute ausmacht – und auch darauf, was künftig aus ihr werden kann. Wo Veränderung sinnvoll ist, macht Jaqueline Lüttgens diese mittels professioneller Visualisierungen sichtbar.

Eine glückliche Fügung brachte die gelernte Bankkauffrau in die Immobilienbranche. Welche Must-haves sorgen in ihrem eigenen Zuhause für Wohlfühlatmosphäre? Wodurch unterscheidet sich eine exklusive von einer bloß hochpreisigen Immobilie? Und was ist für die Mutter eines Sohnes wahrer Luxus? Jaqueline Lüttgens im Gespräch über alles Schöne.

Frau Lüttgens, woher kommt Ihr besonderer Blick auf Immobilien?

Jaqueline Lüttgens: Ich habe ein gutes Auge für Ästhetik, ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen und bin immer schon sehr architekturaffin. Das betrifft die Gebäudehülle, aber noch viel mehr die Innenarchitektur. Jahrelang habe ich meine eigene Wohnung geplant. Mit Mitte 20 setzte ich diese Pläne dann in die Tat um. Dass meine Begeisterung für Immobilien später auch meinen beruflichen Weg prägen würde, wusste ich damals noch nicht.

Was brachte Sie zum Branchenwechsel von der Banken- in die Immobilienwelt?

Jaqueline Lüttgens: Es war eine glückliche Fügung. Mein späterer Arbeitgeber kannte mich bereits und hatte mich bei der Gründung seines Immobilienunternehmens direkt im Blick. Wir kamen ins Gespräch – und damit waren die Weichen für meinen Einstieg in die Immobilienbranche gestellt.

„Bei aller Verantwortung darf sich ein Immobilien(ver)kauf auch leicht anfühlen.“

Die Fotografie hat Jaqueline Lüttgens’ Blick für Perspektive, Licht und Atmosphäre geschärft. © Julia Schiffers

Ihre Begeisterung für Raumgestaltung reicht also über die eigene Türschwelle hinaus?

Jaqueline Lüttgens: Auf jeden Fall. Wenn ich eine Immobilie betrete, sehe ich diese nie, wie sie ist, sondern plane sie in Gedanken ganz automatisch um. 2023 habe ich mich nebenberuflich in meiner zweiten Leidenschaft, der Fotografie, weitergebildet. Dadurch hat sich mein Blick für Perspektive, Licht und Atmosphäre geschärft. Ich nehme zusätzlich zum großen Ganzen auch sehr viele Details wahr.

Immobilienmaklerin und Fotografin klingt nach einem prall gefüllten und erfüllenden Berufsleben. Was hat Sie zum Schritt in die Selbstständigkeit bewogen?

Jaqueline Lüttgens: Ich wollte meine Erfahrung aus der Immobilienbranche mit meiner Begeisterung für Fotografie und Gestaltung zusammenbringen. Gleichzeitig war mir wichtig, jedem Verkauf die Zeit und Aufmerksamkeit widmen zu können, die er braucht. Daraus ist Lüttgens Immobilien entstanden. Nicht jede:r kann sich vorstellen, wie Räume nach einer Veränderung wirken. Mit professionellen Visualisierungen mache ich diese Potenziale greifbar. Auf einmal entsteht eine Vorstellung davon, wie ein Haus zum Zuhause werden könnte.

Stichwort Potenzial: Sind Sie generell eine unverbesserliche Optimistin?

Jaqueline Lüttgens: Nein, ich bin auch oft pessimistisch. Was totgeschriebene Häuser anbelangt, überwiegt aber eindeutig der Optimismus. Natürlich hat nicht jede Immobilie Potenzial, aber fast jede. Ich schaue mir auf jeden Fall jedes Objekt an und mache mir selbst ein Bild.

Wann haben Sie dieses Talent, verborgene Möglichkeiten zu erkennen, bei sich entdeckt?

Jaqueline Lüttgens: Es gab immer wieder Situationen im Gespräch mit Käufer:innen, die mir das bewusst gemacht haben. Sie hatten plötzlich ein Strahlen im Gesicht, denn auf einmal waren da Lösungen statt Probleme. Aus Skepsis ist Begeisterung geworden. Das hat viel mit mir gemacht.

Apropos Begeisterung: Welche Immobilie hätten Sie besonders gerne in Ihrem Portfolio?

Jaqueline Lüttgens: Etwas mit Geschichte und Charakter: ein historisches Anwesen oder eine heruntergekommene Villa auf einem tollen Grundstück. Eine alte Immobilie, die einfach nicht mehr die nötige Liebe und die Aufmerksamkeit bekommen hat, wäre mein Traum. Dort gibt es die meisten ungenutzten Potenziale.

Ein Immobilien(ver)kauf ist für viele eine Ausnahmesituation, der sie mit Respekt begegnen. Zu Recht?

Jaqueline Lüttgens: Bei aller Verantwortung darf sich ein Immobilien(ver)kauf auch leicht anfühlen. Genau diese Leichtigkeit möchte ich vermitteln. Ich nehme Verkäufer:innen so viel Arbeit wie möglich ab und begleite Käufer:innen durch die Schritte auf dem Weg zum neuen Zuhause. Mir ist wichtig, jede Immobilie so gut zu kennen, als wäre es meine eigene. Dazu gehören die schönen Seiten genauso wie die Schwachstellen. Meine Kund:innen müssen nicht selbst auf jede Frage eine Antwort haben. Dafür bin ich da – und ich spreche auch unbequeme Wahrheiten an.

Was ist Ihrer Erfahrung nach der häufigste Fehler beim Immobilien(ver)kauf?

Jaqueline Lüttgens: Eigentlich sind es zwei: dass Kund:innen entweder nur auf ihre Emotionen, also das klassische Bauchgefühl, hören oder nur auf die Zahlen schauen. Sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf ist es aber wichtig, das große Ganze im Blick zu haben, um am Ende die bestmögliche Entscheidung treffen zu können.

„Es braucht natürliche Materialien – gerne auch einen Materialmix.“

Weltpolitisch und klimatechnisch wird die Lage nicht einfacher. Stellen Sie Auswirkungen auf den Immobilienmarkt fest?

Jaqueline Lüttgens: Die Käufer:innen sind heute deutlich informierter als früher. Im Sanierungsbereich betrifft das insbesondere das Thema Heizung. Außerdem hat sich der Finanzierungsprozess enorm verkompliziert. Die Banken prüfen heute extrem genau und benötigen für die Bearbeitung entsprechend viel Zeit. Schon einige Male ist bei vermeintlich finanziell gut situierten Käufer:innen kurz vor dem Notartermin die Finanzierung geplatzt. Gute Immobilien in guten Lagen sind und bleiben aber immer gefragt.

Wodurch zeichnet sich eine gute oder gar exklusive Immobilie aus?

Jaqueline Lüttgens: Eine exklusive Immobilie hat etwas Einzigartiges an sich: sei es eine besondere Lage, eine außergewöhnliche Architektur oder eine andere Besonderheit, die man nicht an jeder Ecke findet. Exklusive Immobilien haben ihren eigenen Charakter.

Was bedeuten Exklusivität und Luxus für Sie persönlich?

Jaqueline Lüttgens: Luxus hat für mich sehr viel mit Zeit und Selbstbestimmung zu tun: Frei über meine Zeit zu verfügen. Meine Zeit wirklich sinnvoll zu nutzen. Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind. Besonders gerne verbringe ich Zeit mit meinem zehnjährigen Sohn. Aber auch im beruflichen Umfeld empfinde ich es als Luxus, gerne mit Partner:innen zusammenzuarbeiten und gemeinsam qualitative Ergebnisse zu schaffen. Kurz: Luxus bedeutet für mich, das Leben privat und beruflich bewusst zu gestalten.

Und in Sachen Wohnen: Was sind die Must-haves im eigenen Zuhause?

Jaqueline Lüttgens: Must-haves sind für mich viel Licht und ein Garten oder zumindest eine Terrasse, um jederzeit nach draußen zu können. Auch eine offene Wohnküche ist mir extrem wichtig. Ich koche mit Begeisterung, habe oft Besuch und gebe gerne Küchenpartys. Außerdem brauche ich einen ruhigen Platz, an den ich mich zum konzentrierten Arbeiten zurückziehen kann. Generell ist mir eine angenehme Wohnatmosphäre wichtig.

Wie schafft man eine solche Atmosphäre?

Jaqueline Lüttgens: Es braucht natürliche Materialien – gerne auch einen Materialmix. Australische Häuser haben mich diesbezüglich sehr inspiriert: Ein Teil der Fassade ist aus Naturstein, ein anderer Teil ist verputzt, hinzu kommen Holzelemente. Durch diese Kombinationen haben die Häuser eine ganz andere Wirkung, eine völlig andere Tiefe. Das würde ich gerne auch hierher transportieren – sowohl innen als auch außen. Natürliche Materialien strahlen Ruhe aus. Durch die Kombination von Holz, Stein, Metall und Stoff entsteht, wenn sie aufeinander abgestimmt sind, ein wunderschönes, exklusives Ergebnis.

Jaqueline Lüttgens’ persönlicher Luxus ist es, ihr Leben privat und beruflich bewusst zu gestalten. © Julia Schiffers

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