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„Beobachtungsgabe ist das Wichtigste“

INterview mit Marcel Einfalt | 25.02.2026

Ein Handkuss, ein tiefer Knicks – und der gesellschaftliche Auftritt war perfekt. Was über Jahrhunderte fester Bestandteil der europäischen Etikette war, wirkt heute in den meisten Kontexten aus der Zeit gefallen. Hat das gute Benehmen im 21. Jahrhundert ausgedient? Knigge-Trainer Marcel Einfalt weiß: Exzellente Manieren sind nach wie vor gefragt und enden nicht bei der korrekten Besteckwahl.

Der Chauffeur mit weißen Handschuhen und Fahrermütze. Der Butler im Frack. Die Haushälterin mit weißer Rüschenschürze. Berufskleidung, die in internationalen Haushalten lange Zeit das Alltagsbild prägte, bleibt heute zumeist im Kleiderschrank. Auch der aristokratische Nachwuchs lernt Tischmanieren und die dazugehörige aufrechte Körperhaltung heute nicht mehr mit Buch auf dem Kopf. Gutes Benehmen ist aber auch im 21. Jahrhundert alles andere als obsolet. Marcel Einfalt, operativer Geschäftsführer (COO) von OPMG und langjähriger Knigge-Trainer im internationalen Umfeld, gibt Einblick in zeitgemäße Umgangsformen. Welche Rolle spielt die Kunst der Antizipation? Warum braucht es Non-Disclosure Agreements (NDAs)? Und unter welchen Umständen haben „Rohdiamanten“ bessere Erfolgschancen als Bewerber:innen mit perfektem Lebenslauf?

Herr Einfalt, welche Rolle spielen klassische Knigge-Regeln heute noch in internationalen Privathaushalten?

Marcel Einfalt: Knigge ist ein Thema, das die gesamte Gesellschaft betrifft – nicht nur den internationalen Privathaushalt. Es geht nicht primär darum, das korrekte Besteck zu verwenden. Natürlich ist das ein wichtiger Faktor, aber letztlich nicht ausschlaggebend. Essenziell ist vielmehr die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen und das Gegenüber in den Mittelpunkt zu stellen. Besonders auf Seiten der Mitarbeiter:innen braucht es die Bereitschaft, im Hintergrund zu bleiben und sensibel auf die Bedürfnisse und Signale der Arbeitgeber:innen sowie ihrer Gäste zu reagieren. In erster Linie geht es darum, Situationen richtig zu lesen: Wann möchte jemand angesprochen werden? Und wann ist Zurückhaltung geboten? Diese Kunst ist in unterschiedlichsten Lebenskontexten gefragt.

Beginnt die Einführung in diese Kunst üblicherweise bereits im Kindesalter?

Marcel Einfalt: Ja, die nächste Generation wird selbstverständlich auf die entsprechenden Umgangsformen vorbereitet. Viele exzellente Schulen geben dem Nachwuchs das nötige Rüstzeug mit auf den Weg. Das Balancieren eines Buches auf dem Kopf wird dabei aber nur mehr in den seltensten Fällen eine Rolle spielen. Wie so oft gilt: Kinder lernen am besten durch Vorbilder. Sie werden dadurch oft schon in sehr jungen Jahren ganz natürlich an das Thema herangeführt. Abseits von Familie, Freundeskreis und Lehrkräften spielt dabei auch die Vorbildwirkung des Hauspersonals eine wichtige Rolle.

Werden die Erwartungshaltungen in internationalen Privathaushalten zu Beginn eines Dienstverhältnisses explizit besprochen? Oder muss man schlicht und einfach das entsprechende Feingefühl mitbringen?

Marcel Einfalt: Das Verhalten der Mitarbeiter:innen ist ein wichtiger Teil der Außenwirkung eines Haushaltes. Es gibt dabei unterschiedliche Ansätze – je nachdem, ob ein Haushalt formell oder informell geführt wird. In formellen Haushalten, etwa bei adligen Familien oder in Botschaftsresidenzen, existieren strikte Regeln und Protokolle für die Kommunikation. Dort ist genau festgelegt, wer wen persönlich bedienen und direkt ansprechen darf. Ob formell oder informell: Ganz entscheidend ist die entsprechende Vorbereitung, die „Mise en Place“. Wenn man sich schon im Vorfeld mit den jeweiligen Vorlieben und Erwartungen befasst, ist bereits viel gewonnen.

„Wer sein Gegenüber im Blick hat und wohlüberlegt handelt, vermeidet den Fauxpas.“

Die korrekte Besteckwahl ist ein wichtiger, aber nicht der ausschlaggebende Faktor. © Pexels Szymon Shields

Hierarchien, Umgangsformen und Tischkultur unterscheiden sich von Kulturkreis zu Kulturkreis oft deutlich. Wie vermeide ich auf dem internationalen Parkett – etwa bei Staatsempfängen – einen kulturell bedingten Fauxpas?

Marcel Einfalt: Auch hier ist die Vorbereitung ein wesentlicher Faktor. Die ausführenden Personen stimmen üblicherweise im Vorfeld ein Protokoll ab, das am Tag X allen Beteiligten als Handlungsanleitung dient. Letztendlich ist Beobachtungsgabe natürlich das Wichtigste: Wer sein Gegenüber im Blick hat und wohlüberlegt handelt, vermeidet den Fauxpas.

Gibt es bestimmte Themen, die tabu sind?

Marcel Einfalt: Wenn wir dienen, haben Themen wie Religion, Politik und Krankheit keinen Platz. Der Gesundheitszustand des eigenen Haustieres soll in der Konversation mit der oder dem Vorgesetzten beispielsweise nicht zum gesprächsfüllenden Thema werden.

Wie wichtig ist generell die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz?

Marcel Einfalt: Professionelle Distanz ist im Privathaushalt entscheidend für den langfristigen Erfolg. Freundlichkeit bedeutet nicht, dass man „Best Friends“ ist. Als Angestellte:r ist man Dienstleister:in und übt eine klare Rolle innerhalb einer Hierarchie aus. Wer die eigentliche Aufgabe – beispielsweise als Koch – vernachlässigt und sich stattdessen vorrangig dem „Socializing“ widmet, wird das Dienstverhältnis nicht lange aufrechterhalten können.

Apropos Socializing: Wie steht es um die Verschwiegenheit? In Zeiten von Social Media und Klatschpresse ist sie vermutlich ein heikles Thema?

Marcel Einfalt: Verschwiegenheit ist in unserem Tätigkeitsbereich essenziell. Die meisten Kandidat:innen unterschreiben daher strikte Verschwiegenheitserklärungen – so genannte NDAs (Non-Disclosure Agreements). Oft ist es sogar sicherheitsrelevant, dass keinerlei Informationen über den Aufenthaltsort oder die Gewohnheiten der Arbeitgeber:innen nach außen dringen. Das Verbot von Klatsch und Tratsch gilt gegenüber der Presse, im Hinblick auf Social-Media-Aktivitäten, aber auch im privaten Umfeld der Angestellten – selbst gegenüber Ehepartner:innen oder Lebensgefährt:innen.

„Das Outfit auf einer Superyacht sieht anders aus als jenes beim Dinner mit Staatsgästen.“

Wird im Recruiting mehr Wert auf die fachliche Qualifikation oder das Benehmen der Bewerber:innen gelegt?

Marcel Einfalt: Die Persönlichkeit ist essenziell. Wir führen intensive Interviews, um neben der fachlichen Kompetenz vor allem die Menschen hinter den Lebensläufen kennenzulernen. Fachwissen kann man oft nachlernen, aber die persönliche Einstellung und das Mindset müssen von Anfang an zum Haushalt passen. Wir erleben oft „Rohdiamanten“, deren berufliche Vita vielleicht nicht perfekt ist, die aber durch ihren Charakter die Arbeitgeber:innen sofort überzeugen.

Zum Abschluss: Ist das klassische Bild des Butlers mit Frack und weißen Handschuhen heute obsolet?

Marcel Einfalt: Vereinzelt bleibt dies möglicherweise noch gewünscht, aber die Berufskleidung ist heute nicht unveränderlich in Stein gemeißelt. In erster Linie ist flexible Anpassung an die jeweilige Situation gefragt. Das Outfit auf einer Superyacht sieht anders aus als jenes beim Dinner mit Staatsgästen. Wichtig ist ein dezentes, elegantes und funktionales Auftreten. Es soll klar ersichtlich bleiben, wer Gast oder Arbeitgeber:in und wer Mitarbeiter:in ist.

Berufskleidung ist heute nicht mehr unveränderlich in Stein gemeißelt. © Pexels Cottonbro

Sie können OPMG telefonisch unter +49 89 41 42 43 99-0
oder per E-Mail unter office@opmgstaff.com erreichen.

Zu den Kund:innen zählen weltweit führende Unternehmer:innen und Unternehmen, Aristokrat:innen, Ikonen aus Sport und Lifestyle sowie Entscheidungsträger:innen von Weltrang. Das Team ist international und länderübergreifend tätig und in Europa zu Hause – bald auch in Zürich in der Schweiz, daran arbeitet man gerade. OPMG arbeitet ausschließlich erfolgsbasiert, ohne Vorauszahlung, versteckte Kosten oder Ähnlichem. Für die Kandidat:innen ist die Vermittlung durch OPMG immer kostenlos.